Sicheres Passwort erstellen: Länge, Zufall und was die NIST empfiehlt
Warum ein langes Zufallspasswort ein kurzes, kompliziertes schlägt, wie viele Bit Entropie Sie wirklich brauchen, was die NIST-Richtlinien von 2025 geändert haben und wie Sie Passwörter sicher erzeugen und aufbewahren.
Die meisten Passwort-Tipps drehen sich um Zeichenregeln: ein Großbuchstabe, eine Zahl, ein Sonderzeichen. Angreifer kümmern solche Regeln wenig. Was Sie schützt, ist die Zahl der Versuche, die nötig ist, um Ihr Passwort zu finden, und die hängt fast nur von zwei Dingen ab: wie lang es ist und wie zufällig es gewählt wurde.
Warum „P@ssw0rt!“ schwach ist
Programme zum Knacken von Passwörtern probieren nicht blind jede Kombination. Sie beginnen mit Listen von Passwörtern aus früheren Datenlecks, Wörterbuchwörtern, Namen und Daten und wenden dann die typischen Abwandlungen an: aus a wird @, aus o wird 0, ein Großbuchstabe am Anfang, eine Ziffer oder ein Ausrufezeichen am Ende. Ein so gebautes Passwort erfüllt fast jede Komplexitätsregel und gehört trotzdem zu den ersten Versuchen.
Deshalb empfiehlt das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) Online-Diensten inzwischen, neue Passwörter mit Listen häufiger und kompromittierter Passwörter abzugleichen, statt Zusammensetzungsregeln vorzuschreiben. Mehr zu den Richtlinien weiter unten.
Entropie: Stärke in Bit messen
Bei einem zufällig gewählten Passwort lässt sich die Stärke berechnen. Stammt jedes Zeichen aus einem Vorrat von N möglichen Zeichen, trägt es log₂(N) Bit Entropie bei, und ein Passwort der Länge L hat L × log₂(N) Bit. Jedes zusätzliche Bit verdoppelt die Zahl der Versuche, die ein Angreifer braucht.
Entropie (Bit) = Länge × log₂(Zeichenvorrat)
16 Zufallszeichen aus den 94 druckbaren Tastaturzeichen:
16 × log₂(94) = 16 × 6,55 ≈ 104,9 Bit | Passwort | Entropie |
|---|---|
| 8 zufällige Kleinbuchstaben | 37,6 Bit |
| 8 zufällige Zeichen der ganzen Tastatur (94) | 52,4 Bit |
| 4 zufällige Wörter aus einer Liste mit 7.776 Wörtern | 51,7 Bit |
| 12 zufällige Zeichen der ganzen Tastatur | 78,7 Bit |
| 6 zufällige Wörter aus einer Liste mit 7.776 Wörtern | 77,5 Bit |
| 16 zufällige Zeichen der ganzen Tastatur | 104,9 Bit |
| 20 zufällige Buchstaben und Ziffern (62) | 119,1 Bit |
Wie lange würde das Knacken dauern?
Die Ratgeschwindigkeit hängt davon ab, wo der Angriff stattfindet. Das Anmeldeformular einer Website erlaubt meist nur wenige Versuche pro Minute. Gefährlich ist der Offline-Angriff nach einem Datenleck, wenn Angreifer ihre Versuche auf eigener Hardware gegen die gestohlenen Passwort-Hashes testen. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie der Dienst die Passwörter gespeichert hat: Eine veraltete, schnelle Hashfunktion lässt sich auf Grafikkarten milliardenfach pro Sekunde testen, eine absichtlich langsame wie bcrypt oder Argon2 nur tausendfach.
Die Tabelle zeigt die durchschnittliche Zeit, um ein Zufallspasswort zu finden (die Hälfte aller Möglichkeiten), bei zwei Geschwindigkeiten. Es sind beispielhafte Annahmen, keine Messungen eines bestimmten Angreifers: 10 Milliarden Versuche pro Sekunde bei einem schnellen Hash und 10.000 pro Sekunde bei einem langsamen.
| Passwort | Entropie | Schneller Hash: 10 Mrd. Versuche/s | Langsamer Hash: 10.000 Versuche/s |
|---|---|---|---|
| 8 Kleinbuchstaben | 37,6 Bit | etwa 10 Sekunden | etwa 4 Monate |
| 4 Zufallswörter | 51,7 Bit | etwa 2 Tage | etwa 5.800 Jahre |
| 8 Zeichen, ganze Tastatur | 52,4 Bit | etwa 3½ Tage | etwa 9.700 Jahre |
| 6 Zufallswörter | 77,5 Bit | etwa 350.000 Jahre | weit länger |
| 12 Zeichen, ganze Tastatur | 78,7 Bit | etwa 750.000 Jahre | weit länger |
| 16 Zeichen, ganze Tastatur | 104,9 Bit | etwa 59 Billionen Jahre | weit länger |
Ab etwa 80 Bit ist Offline-Raten selbst gegen einen schnellen Hash aussichtslos. Unser Passwort-Generator nutzt dieselbe Skala: Unter 50 Bit bewertet er ein Passwort als schwach, von 50 bis 79 Bit als gut und ab 80 Bit als stark. Seine Voreinstellung, 20 Zeichen aus allen vier Zeichengruppen, ergibt etwa 129 Bit.
Was die NIST-Richtlinien von 2025 sagen
Die NIST Special Publication 800-63B-4, im Juli 2025 fertiggestellt, ist für Systeme der US-Bundesbehörden geschrieben, doch viele Unternehmen und Sicherheitsteams weltweit orientieren sich daran. Für Dienste, die Passwörter prüfen, gilt:
- Passwörter, die die einzige Anmeldemethode sind, müssen mindestens 15 Zeichen lang sein; Passwörter zusammen mit einem zweiten Faktor mindestens 8.
- Dienste sollten mindestens 64 Zeichen zulassen.
- Dienste dürfen keine Zusammensetzungsregeln vorschreiben, etwa eine Mischung aus Groß- und Kleinbuchstaben, Ziffern und Sonderzeichen.
- Dienste dürfen keinen regelmäßigen Passwortwechsel erzwingen; ein Wechsel ist nötig, wenn es Hinweise auf eine Kompromittierung gibt.
- Neue Passwörter müssen mit einer Sperrliste häufig genutzter, erwartbarer oder kompromittierter Passwörter abgeglichen werden.
- Passwort-Manager und automatisches Ausfüllen müssen erlaubt sein, Einfügen sollte möglich sein.
- Für Fremde sichtbare Passwort-Hinweise und Sicherheitsfragen („Name Ihres ersten Haustiers“) sind nicht erlaubt.
Die Richtung ist klar: lang, einzigartig und unvorhersehbar schlägt kurz und verziert.
Drei Wege zu einem starken Passwort
1. Lassen Sie einen Generator Zufallszeichen wählen
Ein zufälliges Passwort mit 16 bis 20 Zeichen ist die beste Wahl für jedes Konto, das in einem Passwort-Manager gespeichert ist, denn Sie tippen es nie selbst. Unser Passwort-Generator erzeugt es in Ihrem Browser mit der Web Crypto API (crypto.getRandomValues) und Rejection Sampling, sodass jedes Zeichen gleich wahrscheinlich ist. Außerdem sorgt er dafür, dass jede angehakte Zeichengruppe mindestens einmal vorkommt, damit auch Websites mit alten Zusammensetzungsregeln zufrieden sind. Nichts wird an einen Server gesendet.
2. Nutzen Sie eine zufällige Passphrase für Passwörter, die Sie sich merken müssen
Für die wenigen Passwörter, die Sie tippen müssen, etwa die Anmeldung am Computer oder das Masterpasswort Ihres Passwort-Managers, ist eine Passphrase aus sechs oder mehr zufällig gewählten Wörtern leichter zu merken und auf dem Handy leichter zu tippen. Entscheidend ist das Wort zufällig: Würfeln Sie die Wörter aus einer Liste wie der 7.776 Wörter umfassenden englischen Liste der Electronic Frontier Foundation (jedes Wort bringt etwa 12,9 Bit), statt sie aus einem Lied, einem Zitat oder Ihrer Fantasie zu nehmen.
3. Speichern Sie alles in einem Passwort-Manager
Wiederverwendete Passwörter sind das größte Risiko überhaupt. Wird ein Dienst gehackt, probieren Angreifer dieselbe E-Mail-Adresse und dasselbe Passwort bei vielen anderen aus; man nennt das Credential Stuffing. Mit einem Passwort-Manager bekommt jedes Konto ein eigenes Zufallspasswort, und Sie merken sich nur eines.
Mehr als das Passwort
- Schalten Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung ein für E-Mail, Banking und soziale Netzwerke. Ihr E-Mail-Konto ist am wichtigsten, weil sich damit alle anderen zurücksetzen lassen.
- Nutzen Sie Passkeys, wo sie angeboten werden. Ein Passkey ersetzt das Passwort durch einen kryptografischen Schlüssel auf Ihrem Gerät: Es gibt nichts zu erraten und nichts, das Sie in eine gefälschte Anmeldeseite tippen könnten.
- Prüfen Sie, ob ein Passwort geleakt wurde. Der Dienst Pwned Passwords von Have I Been Pwned prüft ein Passwort, ohne es zu erhalten: Nur die ersten fünf Zeichen seines SHA-1-Hashwerts werden gesendet, der Abgleich erfolgt bei Ihnen.
- Ändern Sie ein Passwort, wenn es einen Anlass gibt, etwa eine Benachrichtigung über ein Datenleck, ein gemeinsam genutztes Gerät oder einen Klick auf einen Phishing-Link, nicht nach festem Zeitplan.
Tools aus diesem Ratgeber
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Passwort sein?
Mindestens 15 Zeichen, wenn es der einzige Schutz eines Kontos ist; das ist das aktuelle Minimum der NIST. Speichert ein Passwort-Manager es für Sie, nehmen Sie 16–20 Zufallszeichen. Für eine Passphrase, die Sie sich merken, nehmen Sie sechs oder mehr Zufallswörter.
Brauche ich Sonderzeichen im Passwort?
Nicht, wenn es lang und zufällig ist. Ein Sonderzeichen macht jedes Zeichen etwas stärker (log₂ 94 ≈ 6,55 Bit statt log₂ 62 ≈ 5,95 Bit bei Buchstaben und Ziffern), doch vier zusätzliche Zeichen bringen etwa 24 Bit. Nutzen Sie Sonderzeichen, wenn eine Website sie verlangt.
Sollte ich meine Passwörter regelmäßig ändern?
Nur wenn es einen Grund zur Annahme gibt, dass ein Passwort bekannt geworden ist. Die NIST-Richtlinien von 2025 untersagen Diensten erzwungene regelmäßige Wechsel, weil sie zu vorhersehbaren Varianten wie „Frühling2026!“ und danach „Sommer2026!“ führen.
Ist es sicher, ein Passwort online zu erzeugen?
Ja, wenn der Generator lokal läuft und einen kryptografischen Zufallszahlengenerator nutzt. Unserer läuft vollständig in Ihrem Browser mit crypto.getRandomValues; das Passwort wird weder übertragen noch gespeichert.
Was bedeutet „Bit Entropie“?
Es ist der Logarithmus zur Basis 2 der Zahl gleich wahrscheinlicher Möglichkeiten. Ein Passwort mit 80 Bit ist eine von 2⁸⁰ (etwa 1,2 × 10²⁴) Möglichkeiten; ein Angreifer braucht im Schnitt halb so viele Versuche.
Quellen und weiterführende Informationen
- NIST SP 800-63B-4: Authentication and Authenticator Management (2025) (csrc.nist.gov)
- EFF: New wordlists for random passphrases (www.eff.org)
- Troy Hunt: Understanding Have I Been Pwned’s use of SHA-1 and k-anonymity (www.troyhunt.com)
- Crypto: getRandomValues() – MDN Web Docs (developer.mozilla.org)